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EINBLATTDRUCK/ CASTRUM DOLORIS: Piis Manibus Guilielmi. V. Comitis Palat. Rhen. Utr: Boiar. Ducis […]. Zoom



EINBLATTDRUCK/ CASTRUM DOLORIS: Piis Manibus Guilielmi. V. Comitis Palat. Rhen. Utr: Boiar. Ducis […].


Author: Anon.
Place and Year: Süddeutschland (München?), 1626.
Technique: Kupferstich, Einblattdruck, Blattmaße 45,5 x 60 cm; Papier leicht gebräunt und fleckig, leichte Falzspuren und winzige Löcher, sonst in gut erhalten.
Code: 63147

Sehr seltener Einblattdruck anlässlich der Beisetzung von Wilhelm V. von Bayern in der Jesuitenkirche St. Michael in München im Jahr 1626. Das großformatige Blatt zeigt den geräumigen Chorraum von St. Michael mit Castrum doloris (Trauerlager) in der Mitte und anlässlich der Trauerfeierlichkeiten aufgestellten ephemeren Trauerdekoration, bestehend aus vier Pyramiden, Wappen des Hauses Wittelsbach, Skeletten mit Grabtüchern und Kerzen. Die Trauerfeierlichkeiten und –dekoration im Zuge der  Beisetzung Wilhelms V. sind weiterhin durch ein Buch, Mausoleum virtutis et honoris piis manibus Guilielmi V. Serenissimi Boiariae Ducis Inter quatuor Pyramides a Collegio Societatis Iesu Monacensi Gratae Memoriae erectum […] (bei Haeredibus Ioannis Hertsroy & Cornelio Leysserio, München 1626), dokumentiert.

Herzog Wilhelm V. von Bayern (1548-1626, reg. 1579-1597), genannt „der Fromme“, setzte nach seinem Regierungsantritt die gegenreformatorische Politik seines Vaters Albrecht V. fort. Auch die zwischen 1583 und 1597 errichtete Jesuitenkirche St. Michael und der ihr angeschlossene Gebäudekomplex des Wilhelminums mit dem jesuitischem Kolleg gingen aus Bauinitiativen seines Vaters hervor (Grundsteinlegung am 18. April 1583, Weihe am 6. Juli 1597). Der Kirchenbau ist stilistisch von „Il Gesù“, der römischen Mutterkirche der Jesuiten, angeregt und wirkte als geistiges Zentrum der Gegenreformation in Bayern vorbildhaft für viele katholische Kirchenbauten im deutschsprachigen Raum.

Das Blatt zeigt den großzügigen Chorraum von St. Michael mit der prunkvollen Stuckdekoration der Seitenwände und des weiten Tonnengewölbes sowie der ephemeren Trauerdekoration. Die ungewöhnlich großzügige Anlage des Chors hängt vermutlich mit dem Turmeinsturz während der Bauarbeiten im Jahr 1590 zusammen, bei dem der vorherige Chor zerstört wurde. Die Finanzbeamten Herzog Wilhelms V. sollen in Anbetracht der prekären Staatsfinanzen den Einsturz für eine Warnung des Himmels gehalten haben und schlugen vor, gänzlich auf einen Chorraum zu verzichten. Auch der Herzog sah in dem Turmeinsturz ein Zeichen des Himmels, deutete dieses jedoch als Aufforderung zum Bau eines wesentlich größeren Chorraums, da der erste Chorraum für einen so bedeutenden Engel wie den Erzengel Michael offensichtlich zu klein konzipiert worden war und den Zorn Gottes erregt hatte.

Neben der Funktion als geistiges Zentrum der Gegenreformation, diente St. Michael auch als neue Grablege des Hauses Wittelsbach. Neben der Theatinerkirche und der Frauenkirche wurde die Fürstengruft in St. Michael eine der wichtigsten Grablegen des bayerischen Herrscherhauses. Wilhelm V. wurde auf eigenen Wunsch als der erste Wittelsbacher in der Gruft bestattet. Der Einblattdruck zeigt den Sarg des Herzogs in der Mitte des Chorraums unter dem Castrum doloris, einem aufwendig geschmückten Trauerlager, das als kurzfristige Dekoration für die Trauerfeierlichkeiten an die Macht und Größe des Verstorbenen gemahnen sollte. Sekundär war die Bezeichnung Castrum doloris in der frühen Neuzeit auch als Gattungsbezeichnung für Drucke wie den hier vorliegenden gebräuchlich, die die Inschriften von Trauergerüsten dokumentierten. Das vorliegende Blatt ist sehr selten, wir konnten es im Besitz keiner Bibliothek nachweisen.

 

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